K O L Ü M S





« SOMMERTRAUM »


Alles schön ruhig und friedlich. Die Hälfte des Landes ist weg. Fühlt sich an wie Neunzehnhundert-Blumenkohl. Sommer! Du hast mich gelehrt, dich zu packen wenn du endlich mal wieder zu Gast bist hierzulande. Dein magischer Zauber hält nur kurz und schon bist du wieder weg.

Ich entspanne auf einer orangefarbenen Luftmatratze. Der See liegt spiegelglatt und flimmernd vor mir. Die Sonne brennt in voller Kraft herunter und spiegelt einen blauen, von grossgeballten, schneeweissen Sommerwolken durchzogenen Himmel. Hinter mir entfernt sich langsam das schattige Wiesenufer mit seinen tiefhängenden Trauerweiden. Mit dem Ufer bleibt auch das zurück was mich dort umtreibt und beschäftigt. Je länger ich in diesen See reingleite, die Gerüche, die Farben und Geräusche aufnehme, desto fremder und unbegreiflicher wird das eben noch Gewichtige. Die Sonne prickelt auf meiner Haut, wohlig bis tief in die Knochen rein und ein laues Lüftchen umschmeichelt mich. Liebe Leser, so muss sich die Ankunft im Paradies gestalten...

Daheim liegen Notizblöcke voller guter und schlechter Ideen, an die 50 unbeantwortete Emails, Briefe, inflationäre Werbebroschüren, Rechnungen, die fällig sind, Einladungen, die ich ablehnen muss, aufgeschlagene Magazine, Zeitungen, Bücher und ein Haufen waschfälliger Kleider. All diese Dinge erscheinen mir hier auf dem See plötzlich fremd, überflüssig - einer verirrten, grotesken Welt zugehörig, der ich heute entkommen bin und mit der ich zunehmend meine Mühe habe. Es ist die busy-going-nowhere Falle - zuviel machen, reden und studieren – zu wenig freies Leben. Ich weiss, dass es vielen Menschen auf diesem Planeten so geht, nur tröstet mich das wenig.



Wenn ich hier und jetzt in diesen vieltausendjährigen, tiefblauen Himmel blicke, die Wolken gelassen vorbeiziehen sehe, wenn diese Berge, so majestetisch, kühn und unverrückbar klar vor mir stehen – wie kann es da sein, dass daneben all dieser lumpige Alltags-Bagatell-Kram der Trostpflaster-Konsumwelt noch ihre Relevanz hat? Warum lassen wir uns da bloss immer wieder so reinziehen? Die fragwürdige Kunst eines jeden Tages ist doch heute, die Perlen im ganzen Ramsch zu finden, der uns umgibt und angeboten wird. Doch selbst die Lüge dient der Wahrheit und die Schatten löschen die Sonne nicht aus, vor allem nicht im Sommer. Auf geht’s...

Wieder zu Hause fragt mich meine liebe Tochter, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr ins naheliegende Kloster zu gehen. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen nach dem See. Eine braungekleidete Kapuzinernonne öffnet uns freundlich die Pforten. Lange dunkle Gänge führen in den Innenhof. Ein paar Schwestern machen im Halbschatten ein Kartenspiel. Wir zwinkern ihnen zu und ich glaube, sie freuen sich, zwei so bunte, streunende Hunde in ihren Mauern zu sehen. Es fühlt sich gut und sehr kühl an. Die Kirchen und Klöster sind ja eigentlich die Erfinder der Aircondition.... nur liess es sich nicht patentieren.

Wir lassen uns den umwerfend schönen Garten zeigen. Wie man mir berichtete, durfte man früher hier nur unter strenger Strafe aus den Klosterzellen darauf herunterblicken. Zu gross war wohl die Verführungskraft und die Ablenkung all der prächtigen, alten Rosen, Hordensien, Lindenbäume und dem berauschenden Jasmin und Lavendel. Das passte nicht zur streng auferlegten Kasteiung der jungen Nonnen – obwohl sich eigentlich Gott, oder wie wir es nennen wollen, in dieser wunderbaren Natur, in all den Blüten, Früchten und Düften so gross und stark offenbart.

Wir ergreifen die Gelegenheit und nehmen auch noch am anschliessenden Vesper, dem liturgischen Abendgebet teil. Da sitzen fünfzehn ältere Nonnen im Halbkreis in einem holzgetäferten Raum in engen, unbequemen Chorstühlen und lobpreisen mit wackligem aber herzvollem Gesang Gottvater, Gottsohn und den heiligen Geist – fern von der Aussenwelt und ohne Nachkommenschaft. Ein wirklich spezieller Moment den ich mit meiner Tochter erleben durfte.

Spätnachts im Bett sinniere ich über diesen Tag, das Erlebte, über die Vergänglichkeit und ob jetzt ich oder die Nonnen etwas im Leben verpasst haben... Wie lange mag mein Tochterkind wohl noch so schöne Ausflüge mit mir machen ? Ist meine neue Songidee dazu himmlisch genug? Ganz leise hallt ein Ferngewitter. Mein Haus liegt zwischen drei Klöstern und auch morgen werde ich wieder von einem ihrer Glöcklein geweckt werden. Die wunderbaren schwarzen Kirschen und Aprikosen warten auf dem Tisch und ich bin frohgemut, dass sich ein weiterer Sommertag ankündet. Ich möchte unbedingt noch die Gefielde goldener und rauschender Ähren besuchen, bevor sie die Sense oder der Mähdrescher bald schon zu sich holt. Und schliesslich bitte ich noch den grossen Manitu, er möge mir Ruhe und Kraft geben. Ich meine damit die Art von Kraft, die uns wieder mehr eins sein lässt mit dem Schöpfer und die uns in den Schoss der Natur zurückführt. Oh Sommer, tust du mir gut!

 

« DIE ZWANGSERNEUERER »


Die Welt singt wieder: Vögel trällern vor sich hin und zwitschern miteinander um die besten Nistplätze. Hobbypflieger surren am Himmel und bunte Blümchen schiessen aus dem Boden. Zeit, nach draussen zu gehen - Weissensteinzeit!
Aber Mist…unsere schweizweit einmalige Sesselbahn ist nicht mehr. Als Kinder sind wir staunend damit auf den Berg gefahren. Natürlich gab es trotz den Wolldecken, die man mitbekam, hie und da kalte Füsse, aber es war ein Erlebnis, so freiluft zwischen den Tannen, nahe an den Felsen vorbeizuschweben. Man spürte, ja roch die Umgebung und fühlte sich wie ein freier Vogel. Geräusche, die zu vernehmen waren, stammten- aus der Natur oder vom über den Mast rattern. Es waren wunderbare, liebgewonnene Geräusche.

Inzwischen haben die Zwangserneuerer zugeschlagen. Es bedeutet ihnen offenbar nichts, solch ein geschichtsträchtiges, herziges Nostalgiegefährt zu erhalten. Sie wollen es lieber museal ausstellen. Man müsse zeitgemäss effizient sein, meinen sie. So eine gewöhnliche Löligondel soll her. Und damit alles finanziert werden kann und all das Volk, das nach oben katapultiert wird, auch beschäftigt ist, will man gleich noch den Berg ein bisschen verspassbauen. Erreicht worden ist bisher vor allem viel Frust mit dieser Zwängerei. Das Sesseli wurde für Jahre stillgelegt, mit dem Effekt, dass das wunderschöne Kurhaus nur noch halbjährlich betrieben werden kann. Eine klassische Verschlimmbesserung. Egal wie dieses Theater ausgeht: Wem ist gedient? Sicher nicht dem Naturfreund.

So läuft es landauf und -ab. Irgend ein kleines Unternehmen, ein Kellertheater oder eine Schenke werfen gutes Geld ab und man wird grössenwahnsinnig. Dann wird projektiert, modernisiert, aufgepimpt und expandiert nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“. Die Kosten halten sich natürlich niemals im budgetierten Rahmen und so sieht man sich gezwungen, die Finanzen beim Konsumenten wieder einzuholen. Der ist jedoch nicht willig, sich rupfen lassen und hält sich fern. So kommt es, dass fast in jeder Gemeinde ein nagelneues architektonisches Denkmal zum Verkauf steht.



Auch im Schulwesen lassen sich Erneuerungsneurosen beobachten. Am einen Ort stehen Schulstuben leer und am anderen unterrichten die Lehrkräfte in jeder Besenkammer. Vor Inkrafttreten der Bildungsreformen wird die Tatsache, dass die erforderlichen baulichen Massnahmen vom Steuerzahler kaum tragbar sind, jeweils geflissentlich totgeschwiegen. Die Bevölkerung merkt’s erst, wenn es zu ausserordentlichen Gemeindeversammlungen und einem Aufstand der Lehrerschaft kommt. Ähnlich verhält es sich mit den Lehrmitteln: Kriegt man ein Sprachbuch von 1971 in die Finger, bekommt man Augen wie Spiegeleier: Da wurde die Sprache noch richtig geübt! In nüchternem schwarzweiss zwar, aber detailliert. Ein Buch von heute ist um ein Vielfaches teurer, vierfarbig und grosszügig illustriert, inhaltlich aber in einer wesentlich tieferen Gewichtsklasse. Derzeit gilt das Spiralprinzip: Vieles wird bloss jedes Jahr„angedacht“, in der frohen Erwartung, dass sich die Kids dabei sanft in die Höhe schrauben. Dabei wird stets gejammert, wieviel mehr die Kids heute zu büffeln hätten…
Ich bezweifle, dass unsere Kinder heute glücklicher und kompetenter von der Schule abgehen, als wir es taten.

Wenn ich alte römische Schriften lese, wage ich zu behaupten, dass sich der Mensch in 2000 Jahren im Wesen kaum verändert hat. Die Bedürfnisse, Ängste, Neid, Gier, Freuden, Aggressionen und Sorgen sind grosso modo dieselben geblieben. Dem technischen Fortschritt hinken wir mächtig hinterher. Es gibt Dichter und Philosophen, die behaupten sogar, jeder technische Fortschritt bedeute einen menschlichen Rückschritt. Ein Dilemma! Denn Erfinder, Visionäre und Tüftler sind unverzichtbar und mir herzlich willkommen. Im Forschungs- und Medizinalbereich brauchen wir sie dringend, im Energiebereich ebenfalls. Aber die Guys erfinden oft als Nebeneffekt einen Haufen Plunder, auf den die Menschen unkritisch abfahren und von dem sie sich versklaven und physisch und psychisch verkrüppeln lassen. Dabei gibt es einiges, das perfekt ist und von dem man die Finger lassen sollte. So wie Süssmost, Rösti, das Niesenbähnli, die direkte Demokratie, Streichhölzer, das Rad, die Gitarre, Mick Jagger, das Krokusli, die Baslerläckerli und natürlich Dublers Mohrenköpfe, die nach wie vor Mohrenköpfe heissen, auch wenn ein paar notorische Negativdenker das Wort gerne aus den Köpfen der Menschheit ausradieren würden.

Neues ist nicht zwingend besser, schöner, bereichernder und wohltuender. Wir brauchen die Verschlimmbesserungen deluxe nicht. Den Frühling habe ich auch sechzig mal erlebt. Er ist immer noch eine freudige und herzerwärmende Erscheinung. Es soll mir also ja keiner auf die Idee kommen, ihn reformieren zu wollen.

 

« DIE SCHWEIZ IST FERTIG! »


Als Jugendlicher kennt man von allem den Preis, aber nur von wenigem den Wert. Wer schätzt schon in seinen jungen Jahren, was seine Vorfahren und die Alten erschaffen haben? Man ist parat zum Kritisieren, Verteufeln oder Verharmlosen. Ich war genauso, verstand die „schaffä-schaffä-Häusle-bauä-Mentalität“ meiner Eltern nicht. Alles war der Arbeit und dem Haben untergeordnet und für mich zu wenig dem Sein, dem erforschen und zelebrieren des Lebens. Später ist auch mir klargeworden: Ohne unsere fleissigen Ahnen könnten wir nie ein solch privilegiertes Leben führen.

Wer weiss schon noch, dass vor nicht allzu langer Zeit Zar Alexander I. von Russland eine Kollekte für die verarmte, hungernde Schweiz durchführte? Vergangene Zeiten. Heute steht unser Land in vielerlei Hinsicht an der Spitze. Doch die grössten Fehler passieren im Erfolg. Auf’s Siegertreppchen zu gelangen ist das Eine - oben zu bleiben das Andere. Die meisten scheitern, egal ob Einzelkämpfer, Teams oder Länder. Denn sie vergessen, weiterhin das zu tun, was den Erfolg herbeiführte. Mit Goethes Worten: „Nichts ist so ungesund für den Menschen wie zu viele gute Tage“.

Als Musiker bin ich ein Multikultifreak und arbeitete seit Jahrzehnten mit allen Nationen und Farben zusammen. Das gefiel mir immer. Es brachte Abwechslung, Schwung und Fröhlichkeit ins oft kalte, verknorzte Heidiland. Aber früher waren Integration, Asylanten die keine sind, Wirtschaftsflüchtlinge und fehlende Einheimische, die harte und unappetitliche Arbeit erledigen wollen, noch kein Thema. Wer hierher kam, respektierte und akzeptierte die Swissrules, auch wenn einigen, vor allem südlichen Zuwandern, die sture, oft enge Auslegung unseres Alltags bestimmt Mühe gemacht hat. In den 50er- und 60er-Jahren wurden Zuwanderer meist mit offenen Armen empfangen.

Mittlerweile hat sich, egal wo ich hinschaue, das Klima massiv verschlechtert. Viele fühlen sich bedroht und von unseren Politikern nicht ernst genommen. Der normale Bürger bekommt zunehmend den Eindruck, dass der Staat und seine Richter nicht mehr fertig werden mit Typen wie Ambroz B., der mit seiner Clique seit Jahren die Bevölkerung von Hochdorf drangsaliert und nichts passiert. So verkommt der Ausländeranteil von mittlerweile 22% zu einer Hypothek und die guten Seiten der Zuwanderung werden überschattet. Angst ist der Nährboden der Feindschaft - eine denkbar schlechte Entwicklung.



Menschen in einem fremden Land ohne Beschäftigung, Zukunftsaussichten und Lebensmut rutschen rasch ins kriminelle Milieu ab. Spricht man Polizisten auf diese Problematik an, scheint gleich ein eiterndes Bibeli aufzuplatzen. „Wir sind doch nur die Deppen! Juristen und gehemmte Staatsanwälte hindern uns daran, unsere Gesetze umzusetzen!“ Die Rechtsverdreher wiederum verweisen an Politiker und Völkerrecht. Diese sich drückenden, von uns fett gemästeten staatlichen Siebenschläfer schaden allen rechtschaffenen Ausländern, die unserem Land gut tun. Sie verharren in falscher Sozialromantik, delegieren, schieben, zerreden, setzen falsche Anreize und übernehmen keinerlei Verantwortung.

Andy Warhol sagte einmal: „Die Schweiz ist gut - die Schweiz ist fertig“! Fertig im Sinne von festgelegt und zureglementiert, nichts mehr zu tun an diesem Land. Dem Artist fehlt so der letzte Kick. Es war schon immer die persönliche Dringlichkeit, die Grosses Erschaffen liess. In der Schweiz fehlt sie offenbar. Ein Zeichen dafür, dass es uns gut geht – zu gut. Diverse Künstler checken das. Sie brechen aus und suchen die Herausforderung im Ausland.

Aus meiner Vatersicht, der sein Kind in diesem Land aufwachsen sieht, gibt es allerdings sehr viel zu tun. Wir müssen höllisch aufpassen, dass uns nicht passiert, was fast allen Erfolgsmodellen der Weltgeschichte widerfahren ist. Das immergleiche Muster: Ein frühes, archaisches Zeitalter, in dem die Gesellschaft entsteht, sich entwickelt und gedeiht, dann eine klassische Phase, in der sie zur höchsten Blüte reift, und schliesslich die Erschlaffung, eine dekadente Verfallsperiode, in der alles auseinander bricht. Ich bin nicht sicher, in welchem Stadium wir uns jetzt gerade befinden, aber die Vorzeichen geben zu denken: Wachsende Staatsausgaben und Staatsschulden, desorientiertes Schulwesen, Verfall von Ethik und Moral, wankende Sozialwerke und Pensionskassen, explodierende Staatsbürokratie, zunehmende Steuerbelastungen, desorientiertes Schulwesen und überforderte Infrastrukturen, sinkende Geburtenraten, politische Feuerwehrübungen, diffuse Führung, Filz, globaler Gigantismus und der Rückzug der Edlen und Weisen aus dem öffentlichen Leben.
Natürlich glaube ich an unser Land und seine Menschen, aber es wird sich wohl wie mit den Kartoffeln verhalten: erst wenn sie so richtig im Dreck sind, gehen ihnen die Augen auf.

 

« DIE UNERWÜNSCHTEN »


„Bleiben sie weiterhin so unerschrocken und geradeheraus “. Das ist der Grundtenor fast aller Briefe und Mails, die ich bekomme. Ich glaube diese Botschaft erwächst wohl dem Umstand, dass viele meiner Mitbürger nicht so offen ihre Sorgen und ungeschminkten Meinungen kundtun können, weil sie sonst Schwierigkeiten mit ihren Vorgesetzten oder ihrem Umfeld kriegen. Dazu kommt eine gewisse schweizerische aber-Vorsicht-it’s-not-cool-man-Mentalität. Wir mögen keine Konfrontationen und eine gewisse Konfliktscheu ist uns eigen.

Schon als Kind war ich von einem guten Stück Gerechtigkeitssinn getrieben. Man nannte mich einen Revoluzzer, mit dem lebte ich. Es gab und gibt bis heute viel Ungerechtes, Korruptes und Absurdes, das vor unseren Augen oder unter der Tischplatte abläuft. Hie und da spreche ich Derartiges fadengerade an, auch wenn’s wehtut und ich Gefahr laufe, vorschnell in die rechte Schublade gesteckt zu werden. Das ist für mich keine besondere Heldentat, denn das bin ich mir selbst schuldig und zu verlieren gibt’s nicht viel. Bei vielen sogenannten Whistleblowern ist das völlig anders. Sie sind oft allein gegen mehr als eine Chefetage mitsamt ihren karrierebewussten Jüngern und deswegen unerwünscht. Dass es sie aber dringend braucht, haben die letzten Jahre mehr als deutlich gezeigt.

Da hatten wir den Fall der beiden Sozialamt-Kontrollerinnen aus Zürich, die uns aufzeigten, was für Missstände an ihrem Arbeitsplatz herrschten. Man kultivierte über Jahre hinweg ein System, das im Namen des Sozialen asoziales Verhalten geradezu förderte. Die Behörden mochten es jedoch nicht sehen und ich denke, dass dem an etlichen Stellen heute noch so ist. Was nicht sein darf, existiert nicht, Punkt! Dann der Fall Nef. Ein Oberst, der seine Ex-Frau stalkte. Auch bei ihm wurden zuerst alle Informationen von oben nach unten unter Verschluss gehalten. Noch schlimmer war die Sache mit Ex-Bundesanwalt Beyeler, der völlig losgelöst von jeglicher humanen Verantwortung und klaren Beweisen Menschen, ganze Familien, jahrelang ins Elend stürzte. Auch das wollte erst niemand wahrhaben. Es wurde verzettelt und gelogen, bis die harten Fakten auf den Tisch kamen. Schliesslich folgte jüngst die Affäre Hildebrand, wo ein von der realen Welt völlig abgekoppelter, Ex-Hedgefondsmanager im höchsten Bankamt des Landes den Kompass des Fairplay verloren hat.

Natürlich war die ganze Medienwalze unerfreulich. Vorzuwerfen haben sich das aber vor allem jene, die diesen Protagonisten allzu vorschnell einen durchsichtigen Persilschein ausstellten und alles vertuschen wollten. Die moralischen Massstäbe verschoben sich ins Absurde. Täter wurden wie Opfer gehätschelt und die Whistleblower, bar jeglicher Verhätnismässigkeit, als die Bösen hingestellt. Obwohl kein Geld für ihre Enthüllungen geflossen war. Die wahren Verursacher des Unfassbaren, die Schuldigen, erfreuen sich ihrer fetten Abfindung, während jene, die die Drecksarbeit machten, vor Gericht gezogen werden. Der blanke Hohn! But there is no Justice und die Welt will betrogen sein.



Was ist aber unsere vielgelobte Demokratie ohne wirkliche Transparenz auf allen Ebenen wert? Eine Heuchelei und ein schlechter Witz! Sei es im Kostenwesen, bei Politikern oder bei Verträgen. Gerade bei den gemästeten Grossinstitutionen ist dies ein Muss! Blauäugiges Vertrauen, das zeigen die erwähnten Fälle, ist der falsche Weg. Ich verlange, dass die Bücher jener, die von unseren Steuergeldern fett bezahlt werden, jederzeit offen und einsehbar sind und die dafür zuständigen Kontrollinstanzen ihre Arbeit endlich richtig machen. In einem Betreuungsstaat, wo der kleine Mann wegen jeder Bagatelle sofort gebüsst oder reglementiert wird, ist eine externe, unbestechliche Kontrolle der Grossen und Mächtigen unabdingbar. Vielen Verwaltungsräten und Revisionsfirmen ist nicht zu trauen, da sie oft selbst auf der Gehaltsliste dieser Anstalten stehen. Bestimmt beissen sie nicht die Hand, die sie füttert.

Weder Gesetze, noch Richter, Verwaltungen, Behörden, Wirtschaft oder Politik stellen sich hinter die Whistleblower. Der Filz siegt über die Moral. Es wirken effektiv nur die Öffentlichkeit und der Druck der Bevölkerung. Positive Veränderungen in all diesen Fällen kamen nur dadurch zustande - sonst wäre auch heute noch alles beim Alten. Es ist erfreulich, dass sich diverse Parlamentarier von links bis rechts jetzt für einen rechtlichen Schutz der Whistleblower einsetzen wollen.
Sie haben meinen Respekt und wir brauchen sie. Allerdings: Zu pfeifen und singen hätten ganz bestimmt zahllose kleine Angestellte tausend Lieder, aber wie wir sehen, ist es dann mit dem beschaulichen Leben vorbei und den Verräterstempel wäscht man so schnell nicht mehr ab. Will man sich und den Seinen das antun? Mut ist edel, aber Verantwortung seiner Familie gegenüber auch - ein brutales Dilemma.

 

« DER IMAGETERROR »


Der Mensch ist ein Herdentier. Wir sind soziale Wesen und passen uns an. Trotzdem ist für mich gerade die Einmaligkeit des Mitmenschen das wahre Wunder unserer Existenz. Jeden Erdenbürger gibt es lediglich einmal in seiner speziellen Ausführung. Diese Einmaligkeit authentisch zu leben scheint aber in der Welt der Marken und Trends nicht einfach. Auf Schritt und Tritt wird unsereins mit Anregungen gespiesen, wie wir und unsere Entourage zeitgemäss in Erscheinung zu treten haben, egal ob es uns wohl dabei ist. Manche Menschen haben die Substanz, dagegen Resistenzen zu entwickeln, andere geraten in Zugzwang und tappen im schlimmsten Fall in die Armutsfalle.

Gerade jüngere Menschen leiden unter der Furcht, im Offside zu landen, wenn sie nicht den angesagtesten Labels und Trends huldigen und unterwürfig die schrägsten Pflichteskapaden mitmachen. Wer seinen Haushalt mit Kindern teilt, ächzt unter den diesbezüglichen Diskussionen am Mittagstisch. Man gewinnt den Eindruck, die Schule werde spätestens mit der Pubertät für Trendflüchtige zum Folterplatz. Meine Tochter besucht eine Steinerschule. Da hält sich das noch in gesunden Grenzen. Ein eigenes Handy, Smartphone oder Ipad  besitzt sie mit elf Jahren noch nicht. Zwischendurch lasse ich sie meine Geräte benutzen. Dann und wann spüre ich aber auch bei ihr einen gewissen Drang nach mehr, oder eine Sehnsucht, sich der Klasse anzupassen. Öfters fragt sie nach gameboys oder sonst was – offensichtlich bloss deswegen, weil andere diese Dinge haben. Ich verstehe das. Wer dazugehört, lebt mit dem guten Gefühl, okay, akzeptiert und normal zu sein. Wer anders ist, gerät gern in Erklärungsnotstand. Dennoch habe ich als Vater eigene Ansichten darüber, was die Kids nötig haben, was nährt und längerfristig zufrieden macht. Mitläufertum ist wirklich alles andere als stärkend, persönlichkeitsbildend und sicher nicht die optimale Überlebensstrategie.

Was es heisst, nicht dabeizusein, habe ich am eigenen Leib in den Sechzigern erfahren. Mit meinen langen Haaren galt ich als „verweichlichter, schwuler Dreckskerl“ und wurde auf der Strasse sogar angespuckt, je nachdem wo ich aufgetaucht bin. Das hatte auf unseresgleichen zwar eine verbindende Wirkung - wir waren ein eingeschworener Haufen Zottelfreaks gegen die grauen     Igelbrüder - aber es hat auch ausgegrenzt. Das ging soweit, dass einem gewisse Jobs oder Dienstleistungen wegen der Haartracht verweigert wurden.



Der Unterschied zu heute?  Wir waren damals Rebellen gegen den Mainstream. Was alle hatten oder wollten, fanden wir spiessig. Unsere Betrachtungsweise war: Wer Luxusobjekte und Statussymbole nötig hat, muss ein geistiger Pfosten sein. Philosophieren war sexy. Sprüche wie „wir sind die Kinder, vor denen unsere Eltern uns gewarnt haben“ räumten ab. Die heutigen Jugendlichen ticken andersrum. Viele wollen einer Mehrheit angehören. Alles, was neu und massentauglich auf den Markt kommt, wird rasch für unverzichtbar gehalten.

Warum dieser Wandel? Vielleicht hängt es damit zusammen, dass jedes Pendel zurückschlägt. Irgendwann war alles möglich. Man hatte selbst mit einem Irokesenschnitt und Büroklammern im Gesicht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, in der öffentlichen Badi durfte zumindest obenrum geblüttlet werden und wo früher ein einziges, staatlich patriarchalisches Unisexradio trällerte, entstanden verschiedene Kanäle für unterschiedliche Bedürfnisse. Wie müssig ist es da, noch auffallen zu wollen… Also schaue ich, dass ich dabei bin und dafür dann gleich ganz vorne. Das Mittelfeld ist für die Schlaffen.

Als höchstes Gut durch alle Gesinnungs- und Modeströmungen hindurch zieht sich der Wert der Toleranz und der Freiheit. Ich stelle mir spontan eine Szene vor, wo Yuppies und Hippies, Jodler und Rapper, Schwermetaller, Hebammen, Herrgottsschnitzer und Veganer, Harleyhengste und Flyertouris friedlich miteinander bei Sparerips, Linsensalat, Guinness oder Holundersirup den Feierabend verbringen…Imagine!

Wer einen Mangel an Privatjachten und Kreditkarten betrauert, soll getröstet sein: Viel Grossartiges und Einmaliges gibt es gratis und man muss sich nicht fürchten, dass es einem geneidet oder gestohlen wird. Wir brauchen bloss Augen, Ohren und Riechkanäle zu öffnen. Lindenblütenduft, Vogelgesang, die Glut der untergehenden Sonne, das frisch gemähte Gras und die umwerfenden Blüten in ihren vielfältigen Farben und Formen… Diese immer wiederkehrenden Wunder sind wohltuende Erscheinungen jenseits aller Modehipes. Gehen Sie hinaus – um die Öffnungszeiten brauchen Sie sich nicht zu scheren.

Auch wenn’s nicht immer einfach ist, langfristig lohnt es sich, sich selbst treu zu bleiben, seinen eigenen Weg zu finden. An jeder Hausecke die gleichen Bierzeltlaferisprüche… Ich bin mir sicher, IHRE Gedanken würden mich tausendmal mehr interessieren!

Buchtipp zu diesem Thema: „Demian“ von Hermann Hesse

 

« GETEILTE FREUDE »


Immer wieder hören und lesen wir die unglaublichsten Neid- und Eifersuchtsstories. Von Menschen die es nicht ertragen dass andere etwas mehr oder schöneres als sie besitzen.Wegen ein paar lumpigen Franken, einer Stellung, einem Auto oder einer hübschen Frau bahnen sich die irrwitzigsten, lebenslangen Feindschaften an.
Nicht nur im Inselparadies Seychellen kamen mir viele Neidstories zu Ohren, auch unter Schweizern gibt’s zahlreiche Neidgenossen. Ich vergesse das zwar immer, aber man erzeugt rascher Neid als man glaubt. Schon meine liebe Mutter selig sagte mir: Nimm dich vor drei Dingen in Acht mein Sohn: Vor Neid, Misstrauen und Eifersucht. Erfolg und Besitz kann einen Menschen verändern, aber es verändert vor allem auch das Umfeld. Menschen die dich vorher nicht mal mit ihrem Allerwertesten angeschaut haben, sind plötzlich verdächtig freundlich, fast unterwürfig. Andere hingegen wenden sich abrupt ab und verbreiten die unglaublichsten, übelsten Gruselstories über dich. Den Lügengebilden sind da keine Grenzen gesetzt.

Auf all meinen Reisen habe ich nur ein Land kennengelernt das scheinbar fast neidfrei ist: Amerika! Ausgerechnet die verunreinigten Staaten! Ich kann es mir nur so erklären: Die Bürger dieses jungen Landes glauben noch an den grossen if-he-can-do-it-i-can-do-it-too-Traum. Besitzt also jemand einen tollen extravaganten Sportwagen oder ein Hammerhaus heisst es da nicht: woher hat er das? Das ging nicht mit rechten Dingen zu, sondern: Eines Tages wird mir das auch gehören. Eine Art positive Selbstüberlistung und Motivation. Mir hat diese Einstellung schon immer gefallen. Sie kann durchaus etwas bewirken, obwohl mir die zunehmende kaufe-jetzt-bezahle-später-oder-gar-nie-Philosophie extrem zu denken gibt-siehe US und EU Überschuldung.

Ich glaube ich darf sagen, dass ich nahezu neidfrei. Meine Erkenntnis: Wo nicht der ewige Vergleichervirus wuchert fühlt man sich nicht minderwertig und der Neid hat keine Chance. Sehe ich das Haben&Gut eines anderen das mir gefällt gönne ich ihm das voll und erfreue mich auch daran. Es ist mir völlig egal wie er oder sie dazu kamen oder was sie dafür tun mussten. Unwichtig ob sie’s in der Lotterie oder aus einer Erbschaft gewonnen haben, ob sie’s verdienen oder nicht.



Das entscheidende am Besitztum ist nicht, ob man es besitzt, sondern ob man es wirklich schätzen und geniessen kann- sonst ist es nicht viel wert. Ich sehe immer wieder die schönsten Häuser und Gärten die permanent leer stehen und mit keinem Leben erfüllt sind. Ihre Besitzer haben wohl keine Zeit oder zu viele solcher leblosen Spielzeuge. Man muss etwas nicht besitzen um sich daran erfreuen zu können. Ich denke da immer an Hermann Hesse dem einst im Tessin, in Montagnola das wunderprächtige Casa Camuzzi angeboten wurde. Er lehnte dankend ab und sagte: Ich würde es liebend gerne bewohnen, aber behalten sie’s in ihrem Besitz, es würde mich nur einengen und belasten. Er durfte daraufhin bis zu seinem Lebensende darin wohnen und musste sich weder um Erbschaftsgezanke, Steuern, Eigenmietkosten noch Reperaturen kümmern. Clever! Den Garten pflegte er aber sorgfälltig mit grosser Liebe und Hingabe.
Keine schlechte Variante wie ich finde. Sollte jemand also ein vereinsamtes Haus im Tessin, in den Bergen, auf Sardinien, oder den Balearen besitzen und zu wenig Zeit dafür haben, er oder sie können sich gerne bei mir melden. Ich würde mich vielleicht hier und da um das Findelteil kümmern, es mit Musik und Leben erfüllen, die Pflanzen giessen, lüften und auch mal was gutes kochen wenn die Herrschaften vorbeischauen. Natürlich dürften sie, wenn’s passt, auch mal meine Villa Kunterbunt zwischen drei Klöstern, viel Bambus, Blumen und Büschen in Solothurn als Tausch-Relax-Kluse benutzen. Ja, ich finde wir sollten nicht nur Paninibildchen, sondern auch Behausungen, eigentlich alles was phasenweise vernachlässig wird tauschen und teilen. Das bringt Freude und neuen Schwung ins Leben.

Klar bin ich auch ein Jäger und Sammler und hänge an gewissen Dingen, aber ich habe gemerkt dass mir nur Sachen wirklich Freude machen die ich auch brauchen und pflegen kann. Noch mehr Freude bereiten mir die Dinge die ich mit jemandem teilen kann. Zum Beisiel Musik, das Spiel mit der Tochter und den Rotwein mit der Liebsten. Ich besass mal einen alten Rolls Royce und eine Villa am Neuenburgersee. Das war wirklich schön, aber genau so glanzvoll war der Moment wo ich die Schlüssel spontan einem Freund oder Gleichgesinnten in die Finger drückte: Ein Moment des Zaubers und des freien Gebens. Die konnten das voll schätzen und jubilierten aus ganzem Herzen, vielleicht noch fast mehr als ich. Geteilte Freude ist eben doch doppelte Freude. Im Kleinen wie im Grossen.

 

« DER MENSCH DAHINTER »


Letzthin war ich in einer Klinik, um eine längst fällige Schulter-OP hinter mich zu bringen. Es war interessant zu sehen, mit welcher Präzision die Dr. Feelgoods arbeiten. Auch die neuen Narkosemittel sind unglaublich. Wo früher die Flasche Whisky und ein Beissholz hinhalten mussten, gibt’s heute die chemische Überkeule. Da bekommt man rein gar nix mehr mit und fühlt sich nach dem Eingriff wie nach einem Kurzurlaub. Das Pflegepersonal ist hierzulande meist ein Highlight. Ich nenne sie gerne Schwestern, auch wenn’s ein paar gibt, die lieber Fachangestellte Gesundheit oder Pflegefachfrau genannt werden. Während den drei Schichten lernte ich etwa fünfzehn verschiedene kennen. Am liebsten hätte ich ein gleich ein Schwestern-Casting gemacht; wobei bei mir wohl fast alle ins Finale gekommen wären!

Lange sprach ich mit einer Hebamme. Sie war ein Engel von einem Menschen, voll bei ihrer Sache. Ihre Ausstrahlung und Ruhe beeindruckten mich. Was für ein Job! Man muss in einem der wichtigsten und grössten Momente des Lebens zu 1000% für andere da sein und die werdenden Mütter souverän durch alle Schmerzebenen, Ängste und Situationen coachen. Dazu kommen unregelmässige Arbeitszeiten, Nachverarztung und die psychologische Betreuung aller Anwesenden. Ich habe es selbst erlebt bei der Geburt unserer Tochter. Diese Powerengel machen einen absolut gigantischen Job - einer der völlig unterschätzt und unterbezahlt ist. Und dann noch das: Hebammen müssen wegen eines fragwürdigen Beschlusses neuerdings auch noch Hochschulabschlüsse machen. Ohne diesen sind ihre Chancen sehr gering, weiterhin halbwegs anständig bezahlte Arbeit zu finden. Obwohl sie vielleicht menschlich, sowie praktisch besser sind als die meisten Studierten. Es zählt nicht vor allem die Begabung und Hingabe für die Sache, was ich befremdend finde. Dasselbe gilt für Kindergärtnerinnen. Genau jene Jobs, wo viel Herzblut, Menschennähe und Einfühlungsvermögen gefragt sind, fallen dem Regulationswucher zum Opfer.



Die krankhaft zunehmende Akademisierung und eine groteske Flut neuer Gesetze an fast allen Fronten werden immer mehr zum Eigentor und Stolperstein in unserem Land. Wenn Herz, Talent und Leidenschaft eines Menschen für seinen Job geringer geschätzt werden als der ganze technische, überkandidelte Kopfsalat, bewegen wir uns eindeutig in die falsche Richtung. Wichtige, wertvolle Arbeitskräfte gehen nutzlos verloren, oder enthusiastische Anwärter kriegen frühzeitig den Verleider. Dazu wird das ganze System plus die Ausbildung immer teurer und aufwendiger. Und dann hört man die Verantwortlichen über zu wenig Personal und zu hohe Kosten klagen. Grotesk! Merke: es gibt Dinge die funktionieren bestens, seit Jahrzehnten. Klar, man kann sie leicht adjustieren, aber sie müssen nicht ständig verschlimmbessert werden- erst recht nicht von Beamten und Schreibtischtätern. Es gibt Berufe, die brauchen keinen Hochschulabschluss; die hat man im Blut, in den Händen und im Herzen. Die wertvollsten Erfahrungen sammelt man am Arbeitsplatz und nicht auf der Schulbank. Vergessen wir nicht: das Wort Beruf kommt auch von Berufung. Das gilt nicht nur für die Musik. Das Wort Abschluss hingegen ist eher irreführend - Als gäbe es im Leben einen Abschluss?! Es geht immer weiter – man lebt und man lernt.

Typisch für den galoppierenden behördlichen Kontrollwahn ist auch folgendes Beispiel: Die 35-jährige Peruanerin Norma Ammann die wohl als einzige Eingewanderte die 3. Primarschulklasse besucht, scheint glücklich und motiviert in ihre Zukunft zu schauen. Sie will ihren Lebensort und die dazugehörige Sprache kennenlernen. Nun wird sie ausgerechnet in dem Kanton und von dem Bildungsdepartement, das in den letzten Jahren engagiert die Schlagwörter Heterogenität in den Klassenzimmern, Chancengleichheit und Integration propagiert hat, gegen den Willen aller Beteiligten, inklusive Schuldirektor, ausgebremst. Nach den Frühlingsferien darf sie die Schule nicht mehr besuchen. Die Schüler, der Lehrer, die Eltern hatten nichts dagegen, im Gegenteil. Da kratzt sich der stille Beobachter verwirrt am Kopf – der tote Buchstabe scheint wichtiger als der Mensch dahinter. Es ginge um’s Prinzip!? Wenn ich das schon höre krümmen sich bei mir die Zehennägel. Ich denke dann immer an Oscars Wildes treffenden Satz: Mir sind Menschen lieber als Prinzipien, und Menschen ohne Prinzipien das liebste auf der Welt.

Es ist schlicht unfassbar, dumm und gestrig wenn Politiker zb. den hoch tierquälerischen Pelzimport immer noch kaltlächelnd unterstützen und auf der anderen Seite mit Hürden, Schikanen und Sinnlosbestimmungen nur so um sich werfen. Staatsaufgaben dürfen nicht zur Zwangsneurose verkommen, um damit jene zu demotivieren, die wirklich arbeiten wollen und andere die geschützt werden müssen. Wie wär’s mit etwas gesundem Menschenverstand und Herz?

 

« GELD ODER LEBEN? »


Mein Radio läuft. Wetterprognosen –  der Regen wird die gefrorene Strasse heute voraussichtlich in ein Eisfeld verwandeln. Man tut gut daran, passiv zu fahren, wenn überhaupt. Denn wenn der Himmel hustet, liegt der Mensch flach. Die Moderatorin nimmt meine Gedanken nicht auf. Sie fragt einen Experten, was man denn gegen gefrorene Autoscheiben unternehmen kann. Er empfiehlt eine Standheizung. Ich könnte damit mein Auto von der warmen Stube aus vorheizen, um mich später in ein gemütlich temperiertes Fahrpolster zu schmiegen. Die Sicht durch die Frontscheibe wäre ganz ohne Kratzen und Wischen einwandfrei klar. Runde tausend Schweizerfranken wären dafür zu investieren. ein Pappenstiel, würden einige sagen. Gutes Geld für mich.

Ausserdem: Will ich sie eigentlich haben, diese zahllosen Annehmlichkeiten aus den Shoppingtempeln? Macht mich diese Konsum-Religion wirklich glücklich? Will ich die Alltagskleinigkeiten, die mich zuweilen nerven, bekämpfen, indem ich meine Ersparnisse in die Beseitigung derselben investiere, neue Dinge in mein Leben hole, deren Beschaffung, Reparatur und Unterhalt mich auch wieder nerven und stressen? Im Gegenzug muss ich dann wohl ins Fitnessstudio, um meinen geschonten, erschlafften Körper wieder zu stählen.

Sind wir denn heute wirklich zufriedener, wenn wir, um unseren Kaffeekick zu stillen nur einen Knopf zu drücken brauchen, als es die Grossmutter anno dazumal war, die noch zwei mal am Tag Wasser aufgebrüht und es in den Filter gegossen hat? Erinnern Sie sich noch, liebe Leser, wie das gerochen, gegurgelt und geplätschert hat? Ich kriege direkt Sehnsucht nach einem Chacheli Filterkafi… what else? Beim Streben nach Dingen, die unser Leben vereinfachen sollen, schneiden wir uns häufig ins eigene Fleisch. Je mehr wir haben, umso mehr muss gereinigt, gepflegt, ersetzt und unterhalten werden. So rennen wir unserem Lebenstandart hinterher und verlieren dabei das Leben völlig aus den Augen.
Klar, jeder von uns besitzt Dinge, die einen Haufen kosten und nichts bringen. Auch ich. Doch man stelle sich einen Menschen ohne Spleens und Leidenschaften vor, kalt, als sei er in Frankensteins Küche entstanden – grässlich! Mir gefallen Menschen, die sich mit einem gewissen Feuer für, aber öfter auch bewusst gegen Habseligkeiten und Konsumgüter entscheiden. Bescheidenheit und Dankbarkeit finde ich sexy und Prahlen und Klotzen törnt mich ab. Die seelischen Löcher können eh nicht durch eine Flut von unnützen Dingen gestopft werden. Anhaltende Begeisterung, Leidenschaft und Hingabe gibt’s für kein Geld zu kaufen. Weniger ist mehr gilt auch in der Musik. Ich glaube an die kleinen Dinge und Sensationen. Und zwar überall. Was zu gross und üppig wird, zerfällt früher oder später.

Die moderne Versklavung, das unselige kauf-jetzt-bezahl-später-Modell wird zurzeit durch das kauf-jetzt–bezahl-gar-nie-Modell getoppt! Mittlerweile geht das soweit, dass nicht nur unzählige Familien und Banken, sondern ganze Länder am ungedeckten Schuldenabgrund stehen. Also wird tonnenweise Geld nachgedruckt, ohne jeglichen realen Gegenwert. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, sollte eigentlich jedem einleuchten. In gewissen Momenten denke ich aber, dass ein Grossteil unseres Landes unter einer gewissen Luxusnarkose, einer Wohlstandsverwahrlosung leidet. Wir sehen und fühlen nicht mehr, was uns und unserem Land wirklich gut tut, sind matt, zynisch, gesättigt und lasch geworden. Die gesunde Balance ist verloren gegangen.



Wir und unsere Politiker checken nicht, dass diejenigen, die nichts haben und ohne Chancen sind, ein ganz anderes Kampfverhalten entwickeln müssen, um zu überleben. Sie werden sich das, was sie brauchen, holen und zwar auch bei uns – das lehrt uns die Geschichte und man muss kein Schwarzmaler oder Kristallkugelleser sein, um die Zeichen  zu erkennen. Afrika, der nahe und mittlere Osten vermelden jedes Jahr 40(!) Millionen Geburten. Europa, inklusive Russland, gerade mal 7 Millionen. Da rollt etwas auf uns zu.

Wir haben zwar alles und wissen per Mausklick alles und verkümmern trotzdem. Kinder können heute tendenziell nicht mehr klettern, keine Konfitürengläser mehr öffnen, keine Klebestreifen mehr abreissen und sie verstehen die Pointe eines Witzes kaum, wenn er bloss erzählt und kein Filmchen dazu geschaut wird. Schuhe binden, Knöpfe machen und Zöpfe flechten, auf dem Rittiseili schaukeln – alles Dinge, die erheblich mehr Mühe bereiten, als vor 20 Jahren. Die einfacheren Geschenke, wo Hand anlegen und Körperfeeling gefördert werden, sind eben doch nicht die dümmeren.

Vielleicht verschenke ich nächste Weihnacht ein paar Eiskratzer. Für diejenigen, die trotz Eisglätte gezwungen sind, am Strassenverkehr teilzunehmen. Fahren Sie fitgekratzt und vorsichtig in ein turbulentes neues Jahr!

 

« DIE GROSSEN LEHRER »

Die Kinder sind der Fortschritt selbst-
Vertraut dem Kinde.
(Novalis)


Tag für Tag gehen wir in diese Welt hinaus und tun das was wir tun müssen, oder glauben tun zu müssen. Einige von uns haben das Glück wirklich zu leben, viele werden einfach gelebt, sind in diesem Strom drinn, der nur in eine Richtung geht .Die so genannt zivilisierte, westliche Wohlstandsgesellschaft führte uns Schritt für Schritt weg von den natürlichen, einfachen, wirklich nährenden Freuden und Aufgaben dieses Lebens. Fast jeder will mehr. Mehr Material, mehr Statussymbole, mehr Zerstreuung, mehr Thrill, mehr Spass, mehr Alles, um die vielen seelischen Löcher zu füllen, die so aber nicht wirklich zu füllen sind. Wo das hinführt? Ich weiss es nicht. Was es jedoch meiner Meinung nach heute vor allem bräuchte, wäre Zeit. Mehr Zeit, und die nötige Ruhe, um wieder das Reich und die einfache Botschaft der Kinder zu entdecken. Ein wertvolles Gut das viele gar nicht mehr kennen. Leider. Für einige mag das wie utopisches, romantisches, unrealistisches Gesäusel tönen. Nennt mich einen Träumer, aber mich überzeugen einfach die gesegneten Gaben, die Phantasie, die Kreativität, die Unschuld, das Vertrauen und die Schönheiten der ungebrochenen Kinder mehr als alles was diese verrückte Welt zu bieten hat. Und ich habe ja nun bekanntlich schon manches gesehen, erlebt und gekostet.

Trotz den allgegenwärtigen Ignoranten und Zynikern, die Kinder vor allem als kleine Diktatoren sehen, findet langsam wieder eine verstärkte, differenzierte Thematisierung des „Kind-Themas“ in Filmen sowie Büchern statt. Endlich! Das Segensreichste, was Kindheit und Wachstum mit sich bringen, ist die arglose, in die Natur hinaus ergänzte und erweiterte Freudigkeit, deren schönes natürliches und tief andauerndes Ergebnis bei denen, die es nicht erlebt haben, bestenfalls nur durch philosophische Konstruktionen notdürftig ersetzt werden kann. Die stärksten und von mir meistbewunderten Menschen auf diesem Planeten sind Menschen, die den Kontakt zu ihrem inneren Kind pflegen, die humorvoll, neugierig, frei und herzoffen geblieben sind.



Auf den langen Spatziergängen mit meinem Grossvater haben wir oft darüber geredet. Er meinte: Als Kind hat jeder Mensch ein Sehnen nach einem grossen Glück, das ihm das Leben bringen soll, und nachher verlieren es leider die meisten, weil sie ihr Sehnen auf kleine Erfolge und Eitelkeiten einstellen, und lassen sich einreden, das grosse Glück, nach dem sie sich sehnten, sei eben nur ein Kindertraum gewesen, statt dass sie sich sagen, ich will es finden, nicht so, wie ich es mir als Kind gedacht, aber dennoch finden, so wie es sein muss. Das „Sein wie ein Kind“ hat mit dem äusserlichen Sichgeben nichts zu tun. Es ist ganz allgemein gesagt, eine Einfachkeit und Ursprünglichkeit des Denkens, Empfindens und Wollens, die wir uns wahren und immer wieder erwerben müssen, um nicht durch das, was von aussen auf uns wirkt, irre zu werden“. Heute weiss ich genau was er damit gemeint hat. Nur allzu schnell entfernen wir uns von diesem herzvollen, und zufriedenen im Moment sein, und werden durch dieses äusserliche Sinnlosgestresse zu entnervten Konsumkälbern, fern einer gesunden Balance. Ich erlebe es selbst immer wieder, wenn ich glaube das Aussen sei wichtiger als das Innen, die Zukunft wichtiger als das Jetzt. Es gibt dann neben der Musik nur zwei Dinge die mir helfen.

Erstens, ein klares Abgrenzen meiner feineren Seite, das hören auf die innere Stimme, und zweitens das Erinnern zweier Meister, die mir zum Kinde die schönsten Worte die ich je gehört habe hinterlassen haben: „Die Kindheit ist ein Land, ganz unabhängig von allem. Das einzige Land, in dem es Könige gibt. Warum in die Verbannung gehen? Warum nicht älter und reifer werden in diesem Lande?...Wozu sich gewöhnen an all das , was andere glauben? Hat das etwa mehr Wahrheit, als das was man glaubt im ersten Kindervertrauen? Ich kann mich noch erinnern...da hatte jedes Ding einen besonderen Sinn, und es gab unzählbar viele Dinge. Und keines war mehr im Werte als ein anderes. Gerechtigkeit war über ihnen...Das war so, als ob man viel mehr davon wüsste als die Grossen“. Hab herzlichen Dank Rainer Maria Rilke, das sind nicht Träumereinen, sondern tiefe Wahrheiten und das führt mich direkt zum Buch der Bücher in dem da steht: Und er rief ein Kind herbei, stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Reich der Himmel kommen. Ja, meine lieben Leser daran glaube ich stärker denn je, und zwar hier im Jetzt auf Erden.


 

« NÄHE UND DISTANZ »

Du kannst das ganze Universum nach jemandem absuchen, der
deiner Liebe würdiger ist als du selbst. Du wirst ihn nicht finden.
(Buddhistisches Sprichwort)


Man liest und hört es überall und ich sehe es in meinem Freundeskreis: Beziehungen lösen sich auf wie Schnee in der Frühlingssonne. Der Singlemarkt boomt und das Karussel der Beziehungs-Crashes dreht sich immer schneller.
Auch ich glaubte lange Zeit mein Heil in der ewigen Partnerrotation zu finden. Das Arbeitssumfeld in der Abteilung Rock’n Roll tat das seinige dazu. Ich meinte im Ernst, die sogenannte Miss Right käme dann schon noch, wenn ich nur lange genug weiterwechseln und weitersuchen würde. Heute würde ich das die Phase der grossen Liebeslotterie nennen. Ganz amüsant für einen Jungfuchs auf der freien Wildbahn. Den Jackpot, die „Liebe des Lebens“ holte ich so natürlich nie, und wenn, dann habe ich es gar nicht wahrgenommen. Vieles spielte sich nur an der Oberfläche ab. Nähe wurde vor allem über Sex gelebt. Die tiefere Verbindung blieb aus. Erst als ich dieses Spiel endlich beendete und bei mir selbst genauer hinschaute, kam ich der Sache näher. Was wollte und suchte ich eigentlich? Gab es das überhaupt? Und wenn ja, würde ich es denn erkennen, schätzen und leben können? Schon bald merkte ich, dass eine Beziehung und der jeweilige Partner nichts anderes als mein eigenes Spiegelbild waren. Mich nervte das am Gegenüber, was ich bei mir oft selbst unterdrückte, oder ich holte mir einfach den Teil beim Partner, der mir selbst gerade fehlte. So entstand schnell eine ungesunde Abhängigkeit. Wahre Liebe ist aber ein Geschenk und kein Tauschgeschäft.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Sicher, nur funktioniert das nur, wenn man im Stande ist sich selbst zu lieben, zu respektieren und zu schauen. Das ist aber nicht so einfach wie wir es gerne hätten. Warum? Wir haben fast alle irgendwelche Leichen im Keller, sprich Kratzer, Wunden, Ängste und Verletzungen aus vergangenen Zeiten wo wir in offene Messer liefen. Meistens ist das grosse Problem nicht, diese zu haben, sondern sie zuzugeben, ihnen nachzugehen, sie evtl. aufzulösen oder sie auszuhalten - mit ihnen zu leben, anstatt sie auf andere zu projizieren. Das fällt uns immer wieder schwer, aber den Samen der Liebe müssen wir zuerst einmal in uns selbst pflanzen und pflegen. Das geht aber nicht, wenn wir härter tun als wir in Wirklichkeit sind. Nur wer ein offenes Herz hat, und auch seine feine, verletzliche Seite zeigt, kann tief lieben und geliebt werden.



Aber warum nur haben wir so Angst davor? Warum verstecken wir uns lieber hinter diesem Schutzpanzer und blocken ab? Warum fahren wir immer wieder die schnelle und die harte Tour? Warum flüchten wir und gehen auf Distanz? Weil wir Angst haben Nähe zuzulassen und wieder verletzt zu werden. Wir leben in einer Gesellschaft die auf Kraft, Geiz und Gier aufbaut. Hier werden Menschen immer noch mitleidig als Gränni und Weicheier verhöhnt, wenn sie Tränen oder Gefühle zeigen; egal ob sie gerade die Freundin verloren, oder einen Grandslamtitel gewonnen haben. Ein zufriedeneres Miteinander, wird es aber erst geben, wenn wir Freundschaft und Liebe frisch definieren und leben können. Wir müssen diese Werte wieder entdecken und ihre Heilkraft erkennen und preisen. Es wird keinen anderen Weg geben, für die meisten Probleme auf diesem Planeten. Macht, Krieg und Hass sind die grössten Feinde jeglicher Herzverbindung. Und wenn diese weg ist, dann klappts auch da wo jedes Zusammen beginnt und endet, nämlich in der Familie und in den Beziehungen nicht mehr. Es kommt das grosse Schweigen, die Flucht oder die Schuldzuweisungen anstelle von Reflektion und Einsichten. Der Alltagsstress wird schliesslich zum letzten Sargnagel und die Partnerschaft verkommt zu einer endlosen Projektion. Aus Liebe wird Feindschaft.

Auch wenn es oft schmerzhaft ist, wir müssen diesen Tanz zwischen Nähe und Distanz lernen.Wir sollten auch probieren uns daran zu errinnern, dass Liebe im Kleinen, bei uns selbst anfängt. Der von mir so verehrte Schriftsteller R.M.R. hat einmal sinngemäss geschrieben: Dass ein Mensch den anderen liebt, das ist vielleicht die schwierigste unserer Aufgaben, die höchste, die letzte Prüfung, die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur eine Vorbereitung ist. Ich finde immer wieder bestätigt, dass der Grad, in dem ich zu diesem Dienst an der Liebe fähig bin, in direktem Verhältnis zu dem Grad der Wichtigkeit steht, die ich ihm zumesse – und dass der Ausdruck der Liebe das Höchste ist, was wir hier auf dieser Erde leisten können. Die Liebe ist da – immer. Sie schenkt uns die Gnade des Gebens und Empfangens im Gleichklang mit dem Ein-und Ausatmen. Wir müssten es nur zulassen können.


 

« VOM LEBEN UND GELEBT WERDEN »

 
Wir leben in einer zunehmend hektischen kalten, und groben Welt. Ich sehe immer mehr Menschen mit dem Zombie-Tunnel-Wolfsblick. Scheinbar erloschen, erkrankt und vereinsamt. Ein trauriger Anblick der auch mir zu denken gibt. Was läuft da falsch und vor allem, wo führt das alles noch hin? Nicht dass ich etwas gegen solide Arbeit und vollen Einsatz im Job hätte, sicher nicht, aber die gesunde Balance stimmt längst nicht mehr. Viele Menschen sind permanent in einem Strudel, in einem Sinnlosstress der sie nicht nur weg von sich selbst und ihren Familie führt, sondern sie auch zunehmend krank und verwirrt macht. Phasenweise erlebte ich dies selbst, obwohl ich eigentlich ein Althippie bin, der den gepflegten Müssiggang durchaus lebenswert findet. Noch gelingt es mir zu selten, aber ich bin gewarnt und auf dem Weg.

Mal abgesehen vom Schicksal sind es vor allem 2 Dinge die den Menschen prägen und zu dem machen was er im Jetzt ist. Erstens die Kindheit, die ersten Jahre, seine Erziehung und Zweitens das was er als Job und als Leben lebt. Viele haben da gar keine grosse Wahl und können nicht ihrer Berufung nachgehen, oder sagen wir mal, sie wurden in frühester Kindheit schon so gebrochen, dass sie weder den Mut noch die Kraft oder das Vertrauen hatten, auf ihre Visionen und Instinkte zu hören und ihnen auch zu folgen. Angst und Verunsicherung, ein angeschlagenes Selbstwertgefühl trieb sie eben in ein Leben in dem Haben und Überleben und nicht Sein und Verwirklichung dominieren. Einfach funktionieren nach Plan X. In der Leistungsröndel rotieren bis der Herr Doktor kommt. Kurz: man wird wie selbstverständlich mit dem Rübli vor der Nase durch den Kakao einer Leistungsgesellschaft gezogen, in der man als Konsumkalb und Millionstes Rädchen in einer Wahnsinnsmaschinerie zu drehen hat, und ohne viel Seele und Geist strampelt bis man die Grube eincheckt, in die man nur einmal eincheckt. Bad news!

Zu recht begannen sich in den Sixties und auch heute wieder vermehrt die Menschen zu fragen, ob dies den der Weisheit letzter Schluss sei? Ob ein solches Leben auch lebenswert und vor allem erstrebenswert ist? Wenn ich die freudlosen Gesichter vieler Menschen in unserer westlichen Zivilisation anschaue muss ich dies mit einem klaren Nein beantworten. Zwar herrscht mehr materieller Wohlstand, aber der vermag die seelischen Löcher und Nöte auch nicht zu füllen, geschweige denn wirkliche, herzvolle Zufriedenheit herbeizuführen. Da wäre mehr drinn. Aber eben, den Mut, der Wille und die Kraft dies zu verändern kann man nicht im Supermarkt kaufen. Das ist in einem drinn, oder eben nicht. Aber auch das hat einen Ursprung, eine Geschichte. Sie werden sich vielleicht sagen: Ja, der hat leicht reden da, der Rockstar, der hat Kohle und kann eh tun was er will! Einspruch! Das war nicht immer so, und ist auch heute nicht immer so. Frieden und Freiheit muss man sich immer wieder aufs neue erkämpfen und erarbeiten. Was glauben sie wie oft ich schon ausgemustert und belächelt wurde von dieser Gesellschaft. „Das kannst du nicht machen-das geht doch nicht, das sind unrealistische Träume“.....war der Nonstop Nummer 1 Rapp der mir entgegenprasselte. Nein, das Leben ist kein Wunschkonzert und man muss schon knallhart mit einem starken Rücken hinstehen für seine Werte und Träume. Das kostet Kraft und viel Nerven. Geschenkt wird einem da gar nix.




Rückblickend hatte ich 2 entscheidende Vorteile: Meine Eltern, weil sie hinter mir standen und nicht immer alles besser wussten und mich so auf spielerische Weise das Leben und seine Tücken und Fallgruben entdecken liessen. Ich wurde nicht mit einer vorgefertigten, groben, von dumpfen Prinzipien geprägten Pauschalerziehung klein und eng gehalten. Das Leben wurde mein Lehrer. Man liess mich Fehler machen. Und das tat ich auch zur Genüge-trotzdem wandten sie sich nicht von mir ab. Dafür kann ich ihnen gar nicht genug danken.

Von Hermann Hesse lernte ich die grossen Zusammenhänge zu begreiffen und mehr mit dem Herzen zu schauen. Ich erkannte den Sinn, die Spiritualität aller Wesen, der Natur und des Handelns. Ich kann gar nicht genug betonen, auch wenn viele zynisch-verkopfte Literaturkritiker den Kopf schütteln, wie wichtig Hesse’s Werke wie Demian, Steppenwolf oder Siddharda in einer Phase der typischen Jugend-Verunsicherung und Sinnsuche sind. Seine Bücher sind weit mehr als intellektuell elegant geschriebene Worte. Es sind Wahrheiten und Weisheiten des Lebens die einem im Innersten nähren und Kraft geben. Sie helfen uns aus dem engen Dunkel ins Helle, kreative, spielerische, lebendige zu führen-hin zu uns selbst. Egal ob Banker, Bauer, Herrgottsschnitzer oder Rocker: Um das ginge es eigentlich in den paar mal 10’000 Tagen die wir da sind.


 

« LASST SIE SCHREIEN! »

Die beste Erziehungsmetode für ein Kind ist immer noch,
ihm eine gute Mutter zu verschaffen.
(Christian Morgenstern)

Ich staune immer wieder was für neue sinn-und herzlose Trends in Sachen Kindbetreuung aufkommen. Einst war’s das künstliche Stillen, das gesteuert von der Pharmalobby, extrem gepusht wurde. Man wollte den Müttern weise machen dass der Pulver-Mix aus dem Shoppen gesünder sei als die natürliche Muttermilch. Resultat: Bleiche Kinder mit schwachem Immunsystem und viele Kinderkrankheiten. Dann kam das blindgläubige durchimpfen aller Kleinkinder. Die Folgen davon kann heute ein Heer von angeschlagenen Erwachsenen ausbaden. Das Thema Impfschäden wird gerne verschwiegen oder verharmlost und die Nadelapostel wünscht sich insgeheim schon die Fledermausgrippe –die nächste Pseudopandemie! Nun der letzte Schrei: Frische Eltern werden mit der völlig absurden Ferbermethode verwirrt und verunsichert. Was propagiert dieses System das erstmals in den Kinderschlaflabors vom amerikanischen Doc Ferber entwickelt wurde und von seinen europäischen Adepten Dr. Kast-Zahn (nomen est omen) und Dr. Morgenroth in die Welt hinaus getragen werden? Leider kein schön, erbauendes Morgenrot, sondern eher tiefste Nacht im Erziehungsdschungel.

Ein Schlaftraining ist eine verhaltenstherapeutische oder Konditionierungs-Massnahme und entstammt ursprünglich der Tierdressur. Ziel ist, dass ein Baby oder Kleinkind "lernt", ohne fremde Hilfe ein- und durchzuschlafen. Es wird abends alleine in sein Bettchen gelegt und nach einem festen Zeitplan schreien gelassen. Die Eltern dürfen zwischen diesen Warte-/Schreiphasen für 2 Minuten zu ihrem Kind gehen, sollen es aber nicht mehr aus seinem Bett nehmen. Diese Behandlung wird solange durchgeführt, bis das Kind schläft. Der Begründer selbst verkündete, dass seine Methode der letzte Ausweg sein solle, bevor "Eltern ihr Kind aus dem Fenster werfen". Meine Herznerven!!

Der Schlafratgeber Jedes Kind kann schlafen lernen ist in der TopTen der Ratgeberliteratur und das Training wird von unzähligen Eltern auf eigene Faust durchgeführt. Viele dieser Eltern schaffen es zum Glück nicht, ihr Kind mehrere Nächte lang schreiend sich selbst zu überlassen. Da ferberisierte Kinder ausserdem oft mit Entwicklungsstörungen und Panik auf die Vernachlässigung seitens ihrer Bezugspersonen reagieren, ersuchen jene danach häufig Fachpersonen um Rat und Unterstützung. Eltern, welche bei ihrem Kind ein Schlaftraining durchgeführt haben, berichten kurzfristig ab und zu von "Erfolgen". Längerfristig ist die Tendenz zu Rückfällen im kindlichen Schlafverhalten jedoch sehr auffallend. Folgen eines Schlaftrainings sind unter anderem: Trennungsangst, verstärkte Schlafprobleme, Essstörungen, ungewolltes Abstillen, übertriebene Anhänglichkeit, Apathie oder aggressives Verhalten. Die Eltern leiden zudem oft noch lange unter Schuld- und Versagensgefühlen.




Ein Säugling kann noch nicht alleine sein und braucht permanent Kontakt zu einer Bezugsperson. Sein Bedürfnis nach Nähe, Wärme, Sicher- und Geborgenheit ist nicht nur tagsüber vorhanden. Gerade nachts wird durch die bedrohliche Dunkelheit dieses Bedürfnis noch stärker. Ein Säugling muss seine Bezugsperson spüren oder wenigstens hören können; es reicht nicht, wenn sie sich im Nebenraum befindet. Er versteht nämlich noch nicht, dass etwas auch existiert, wenn es nicht sicht- oder spürbar ist.  

Mit sechs oder zwölf Monaten ist das Vertrauen eines Kind in seine Bezugspersonen noch nicht gefestigt. Es hat noch nicht die Fähigkeit entwickelt, angstfrei auf das Allein-gelassen-werden zu reagieren. Für den Aufbau der Bindungsfähigkeit und die ganze psychosoziale Entwicklung des Kindes ist es von grosser Wichtigkeit, dass seine Nächsten feinfühlig und zuverlässig auf seine Kommunikationsversuche reagiert und auf seine Bedürfnisse eingeht.

Tragischerweise lernt das Kind jedoch mit dem Schlaftraining etwas ganz anderes: Ich bin nicht wichtig! Seine Kommunikationsversuchen werden ignoriert, seine Bedürfnisse nicht ernst genommen und erfüllt. Frustriert und erschöpft schläft es ein. Das sich langsam aufbauende Vertrauen in seine Bezugspersonen bekommt Risse. Ein grosser Teil der erwachsenen westlichen Bevölkerung (in der Schweiz ein Drittel!) leidet unter psychischen Erkrankungen - vor allem Angststörungen und Depressionen. Viele der Betroffenen haben wenig Zugang zu ihren Gefühlen und sind unfähig, Bedürfnisse zu äussern. Unterdessen sehen Experten eindeutige Zusammenhänge zwischen frühkindlichen Erziehungsmethoden und späteren psychosozialen und physiologischen Störungen.

Das müsste nicht sein. Klar sind die ersten Jahre mit Babys des Nachts oft erschöpfend und grenzwertig, aber der grosse und wertvolle Einsatz, vor allem der Mütter, ist langfristig gar nicht hoch genug einzuschätzen.



 

« VON DER SPRACHE UND DER UNANSTÄNDIGKEIT »


Die Erfolgssendung Musicstar hat mir sehr viel Freude und Zuspruch gebracht. Unzählige positive, ermunternde Briefe und Mails voller Begeisterung und Herzoffenheit. Aber es gab auch ein paar fragende und kritische. Der Brief vom Lehrer Markus M. steht für einen dieser Art: „Lieber Chris, deine Arbeit als Juror bei MusicStar und als Musikproduzent schätze ich sehr-deine direkte Art, deine Offenheit und dein Charme auch. Aber deine Sprache finde ich einfach sexistisch, frauenfeindlich und vulgär. Würdest du mir empfehlen, einfach zu akzeptieren, dass in unserer Sprache die die Jungen von heute sprechen immer mehr „gefuckt“ und getittet“ wird und alles immer „mega geil“ sein muss“?
Meine Sprache ist unanständig? Kommt drauf an wie mans sieht. Ich kreiere diese Wortkombinationen meist aus einer bestimmten Energie, nämlich aus einer spielerischen positiven. Gerade die Kinderseele spürt sehr wohl ob wir aus einem hassvollen Fluch oder eben aus einem Jubelanlass Wörter und Ausagen raushauen. Dazu kommt: ich bin Musiker und bei mir muss es einfach grooven. Keith Richards von den Rolling Stones hat mal gesagt „Baby“ und „Fuck“ sind Wörter, die im täglichen Gebrauch neben vielen anderen akkustischen Stolpersteinen einfach so schön swingen. Ich weiss genau was er meint. C’est le ton qui fait la musique. Man darf das auch nicht immer nur zu wörtlich zum Nennwert nehmen. Also „Baby“ ist nicht gleich Kleinkind. Und mit „fuck“ ist nicht gleich Geschlechtsverkehr gemeint sondern eher eine Verstärkung von etwas was einem überaus freut oder nervt wie zb. in Mundard das mttlerweile abgelaufene „schampar“. .




Ich habe festgestellt, dass etwa Frauen die mit dem Wort„Baby“ Mühe haben, entweder einen leicht verkrampften Minderwertigkeitskomplex haben, (sie wollen ja nicht verniedlicht werden) oder oft einen übersteigerten Emanzipationsdruck. (Baby suggeriert für sie schon die erniedrigende, spielzeugmässige Sexopferrolle). Kurz, sie deuten dieses Wort im Grunde komplett falsch. Eigentlich ist es nämlich wie vieles aus meiner Sprachapotheke als buntes, manchmal vielleicht keckes, aber sicher herzliches Kompliment gedacht. Auch der viel zitierte Klassiker „affenhodentittengeil“ ist von mir eigentlich als Kose- und Schwärmwort gedacht. Ganz einfach weil es so schön rollt. Ist meine Sprache deswegen unanständig? Sie ist es nicht, weil mein Ton es nicht ist. Die Sprache selber ist sowieso nie für sich allein genommen gewalttätig, böse oder unanständig. Sie ist nur ein Transportmittel, ein Abbild eines Zeitgeistes, insofern vielleicht die Überbringerin der guten oder schlechten Nachricht, aber nicht die Nachricht selbst. Wie vieles im Leben kommt es auf das WIE und die gesunde Balance an. Ich würde auf keinen Fall menschenverachtendes Vokabular menschenverachtend verwenden, da ich die Menschen verstehe und achte. Die paar gröberen Ausdrücke die ich verwende sind durch ihren häufigen Gebrauch bereits „eingesofted“ und harmlos, gemessen an dem, was man jeden Tag auf der Strasse hört. Und überhaupt: Haben wir damals als Kinder nicht genauso grob und nervig geredet? Haben wir uns nicht erst recht„Schafseckel“, „Pfiffä“, Pigger, „Arschkantäfilet“, und „Blöffsack“ ausgeteilt weil man es uns verbot und damit so schön die Ältern ärgern konnte? Hatten wir’s nicht auch schon vom „vögle“ vom „wichse“ und vom „bürschte“?

Ist deswegen die Welt untergegangen? Nein. Das kam und ging wie das Fieber. Der einzige Unterschied mag sein, dass die Gassensprache heute mehr auch in den Medien, in der offiziellen Sprache durchschlägt. Ob das eine Verrohung oder einfach ein Akt der Ehrlichkeit ist, darüber kann man sich streiten. Klar ist: Die Welt sowie die Sprache ist in ständiger Bewegung und nichts ist mehr so wie es einmal auch nicht war. Also, meine lieben Sound und Wortpolizisten macht euch lieber mal ernsthaft Gedanken über das Blut, die Gewalt und die Vergrobung in dieser Welt draussen wie drinnen am Fernsehen. Bekanntlich schocken solche Bilder und Töne die Kinder dann wirklich in ihren Grundfesten.

Und eines ist auch klar: Die wirklich hässlichen Ausdrücke sind nicht die vordergründig platt-groben wie „sackstark“, “fucking“ oder „geili Rockgörä“, nein, sondern diejenigen, die sich so ganz fein und geschmeidig geben, so hübsch unverfänglich tönen und damit clever die Bösartigkeit ihrer Botschaft übertünchen: „Downsizing“, „Gewinn-Optimierung“, Human-Resource-Restukturierung heisst es da im Wirtschaftsjargon. Das tönt nett, meint aber, dass Menschen entlassen werden, dass Familien leiden, dass soziales Elend ausgelöst wird. So betrachtet wird ein völlig neutraler Ausdruck wie „verdienen“ plötzlich zynisch. Oder haben unsere Top Manager die 20 Millionen Franken Jahressalär haben, sie wirklich auch verdient??? Diese unglaubliche, ungerechte Falschverteilung von grossen Geldern weltweit gibt uns allen zu denken. Ich für mich wähle weiterhin lieber Klartext als Verschleierung und falsche Schönrederei. Lieber ein harmloser, „dräckiger“ aber herzvoller Ausdruck als einer, der hoch anständig klingt, doch hoch unanständiges meint. Lieber fadengerade offen, als hintenrum verlogen - auch wenn meine liebste Grossmutter, Gott hab sie selig, das verständlicherweise nicht immer witzig und anständig finden würde.




 

« Stil & Kultur - Satanische Verse »

Weltwoche Nr. 21.15, Von Daniele Muscionico

Was ist Hard Rock? Hard Rock ist, wenn der Skorpion mit der Wolfsmutter auf dem Sunset Strip jagen geht. In den Nüstern der Gestank zerbrochener Träume, unter der Haut die Erinnerung an River Phonix, der hier starb. Und am lockeren Hintern der Stachel, der sein Gift gegen alles spritzt, was nach Bürgerlichkeit böckelt.
Wenn nach Sonnenuntergang der Skorpion mit der Wolfsmutter, wächst aus dem Asphalt — der Krokus! Die Queen aller Krokusse sogar. Ausdauernd und mit röhrig verwachsenem Kelch. Blütenkelch, Klangschale, nenn’s wie du willst. Und jedes der sechs Blütenblätter ist ein Go-Go-Tänzer und spricht satanische Verse.
Was könnte Hard Rock sonst noch sein? Es ist die Hardware Amerikas. Das dirty Dynamite des Wilden Westens. Es ist Mother’s Best und Onkel Tom’s Darling, denn bezahlt wird in Metall.

Dieses Bild zum Beispiel ist Hard Rock. Schnell und flackernd und heiss und einsam. Unruhig, ruhelos. Immer auf der Suche. Wonach? Nach der Frage. Immer auf der Flucht. Wovor? Vor der Antwort.
Diese Fotografie ist Hard Rock. Es ist ein Bild aus dem Abspann eines Road Movies. Ein dreckiges Halbduzend hat ihn gesehen und selber gedreht, den grossen fremden Film zum kleinen eigenen Leben. Zwölf US-Amerikanische Städte von Ost nach West, das war ihre Grand Tour, und dann, am Ende, das grosse Finale dort, wo der Sündenfall begann. Die «Krokus», Judas Priester der Schweiz sind wieder dort, wo sie hingehören.
Das «Whisky a Go Go» gilt als ältester und erster Rockclub von Los Angeles. Die Doors, Frank Zappa, Janis Joplin, Led Zeppelin, Van Morrison, Aerosmith und Alice Cooper haben dort gespielt, , zum ersten Mal vor mehr als vor einem leeren Bier-Kasten.

Klar ist, das «Whisky a Go Go» ist ein Balg der Sechziger, genau wie «Krokus», diese Flower Power-Extremisten, die sich Metall in ihre Blumenseele genietet haben. Und war damals alles besser? Nicht besser, aber lauter vielleicht. Und ehrlicher. Und ehrlich von sich selbst begeistert. Und von der Möglichkeit, mit der Titanic «Musik» die Schweiz Richtung Westen verlassen zu können. Angefixt vom Sound der Freiheit und an der Nadel der Romanzen, die man nur in der Neuen Welt träumt. Damals. Heute. Was macht das für einen Unterschied? Für diesen Hard Rock ist Zeit nur ein anderes Wort für Solothurn.






From Solör with love. Chris



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